05.10.2020

„Make Rojava Green Again“ – Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie im Nordsyrischen Rojava

„Make Rojava Green Again“ – Basisdemokratie, Frauenbefreiung und Ökologie im Nordsyrischen Rojava

·         Grünschnack am 01. Oktober 2020 –

 Zum Grünschnack durften wir Chris von der Kampagne „Make Rojava Green Again“ begrüßen. In seinem Vortrag hat er die Idee der Sozial-Ökologischen Revolution in Nordsyrien vorgestellt.

 Nach dem Arabischen Frühling 2011 hat sich in Nordsyrien zunächst die Gewaltherrschaft des Islamischen Staates ausgebreitet. Kurdische Befreiungseinheiten, unter anderem der YPG und YPJ, konnten den Islamischen Staat jedoch kurz darauf zurückdrängen.

Bis heute steht Rojava unter Druck. Vor allem das Türkische Regime mit seinem Traum vom Großosmanischen Reich, aber auch die Streitkräfte Assads und Islamist*innen gefährden die Stabilität der Region Nordsyrien.

Mithilfe eines dezentralisierten Gewaltmonopols konnte sich die Gesellschaft in Rojava allerdings bis heute gut behaupten. Überwiegend weibliche Selbstverteidigungseinheiten der HPJ begleiten öffentliche Versammlungen. Das besondere an der HPJ ist, dass jede gesellschaftliche Gruppe ihre eigene HPJ ausbildet.

 Die Sozial-Ökologische Revolution hat das Ziel, eigene Strukturen losgelöst von einem kapitalisierten und autoritären Staat aufzubauen.

Die Idee von Rojava basiert auf drei Säulen:

·         Basisdemokratischer Konföderalismus

·         Frauenbefreiung

·         Ökologie

Der Basisdemokratische Konföderalismus verfolgt die Idee, in kleinen Räten Wissen auszutauschen und selbstverwaltet Lösungen zu entwickeln. Die Räte bestimmen in Nachbarschaftssitzungen gemeinsam, zum Beispiel über die Gestaltung ihrer Straße. Es gibt keine staatlich geschaffenen Verwaltungseinheiten, die übergeordnet sind.

Die Frauenbefreiung ist ein zentraler Aspekt in der Gesellschaft von Rojava. Frauen bestimmen und wirken in allen Gruppen und bei allen Aufgaben gleichberechtigt mit. Zusätzlich stärken sich Frauen gegenseitig in Frauenräten. Die Analyse der Gesellschaft ist, dass in sich krisenhafte Systeme wie Kapitalismus und Hierarchie nur durch das Patriarchat entstehen konnten. Deshalb muss das Patriarchat überwunden werden.

Als dritte Säule trägt die Ökologie zur Sozial-Ökologischen Revolution bei. Im Vergleich zum mitteleuropäischen Verständnis begreifen die Menschen in Rojava die Ökologie nicht als nachhaltigen Umgang mit der Umwelt (Natur als Objekt, dass durch den Menschen als handelndes Subjekt beliebig verändert wird), sondern als dem Menschen gleichwertige, zweite Natur mit der im Einklang gelebt werden muss. Konkret wird in Rojava versucht, mit Wissen über heimische Pflanzen und Ansätze der Permakultur Lebensqualität zu schaffen.

 Als Grüne Partei in Deutschland können wir die Sozial-Ökologische Revolution in Nordsyrien unterstützen. Folgende Forderungen sind hierbei sehr wichtig:

·         Städtepartnerschaften bilden (zum Beispiel mit der Stadt Derik)

·         Partnerschaften von Geschäften, Schulen oder Universitäten mit Geschäften, Schulen und Universitäten in Nordsyrien

·         Keine Zusammenarbeit mit dem Zentralrat der Muslime, der wenige Muslim*a vertritt, aber gleichzeitig türkisch-islamistische Faschist*innen unterstützt

·         Keine Waffenexporte aus Deutschland ins Ausland, ohne Ausnahme

·         Einsatz für ein Ende der Zusammenarbeit mit dem türkischen Regime unter Erdogan

·         Internationale Solidarität mit der grün-feministischen HDP (grün-linke Partei) in der Türkei

·         Das Verbot der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) neu debattieren

Weitere Informationen zur Kampagne „Make Rojava Green Again“ findet ihr unter www.makerojavagreenagain.org

 

 

 

 

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