Schleswiger Wirtschaft im Blick

Teil 5: Es war einmal, es sei einmal..

Von Claus Godbersen 

Vor ungefähr einem Jahr machte sich ein kleiner Grüner auf, um die Wirtschaft seiner kleinen Heimatstadt zu untersuchen. Meine Schreibarbeit war regelmäßig begleitet von eigenen Zweifeln an der Qualität meiner Ergüsse. Was mich jedoch am Ball bleiben ließ, war die Tatsache, dass ich sowohl in der Lokalpresse als auch im Internet so gut wie keine Artikel zu dem Thema fand. Und wenn die Fachleute sich schon in Schweigen hüllen – so dachte ich – können meine laienhaften Ergüsse währenddessen getrost veröffentlicht werden.

Prompt kamen die Schleswiger Nachrichten einen Monat vor Jahresende 2012 auf die Idee, noch ein Heft zur Schleswiger Wirtschaft zu veröffentlichen. Dies liefert mir willkommene Munition für eine Bilanz... eine Abrechnung; denn dieses Heft bietet nicht nur Informationen über die Schleswiger Wirtschaft, sondern zeigt auch sehr gut die Art und Weise, wie in Schleswig über Wirtschaft nachgedacht wird. Einige Irrungen und Wirrungen halten sich hartnäckig und hängen an der Entwicklung dieser Stadt wie ein bleierner Rettungsring.

Das Heft fängt sehr gut an mit einer zahlenmäßigen Übersicht über die Wirtschaftsdaten der Stadt und des Kreises. Natürlich erschöpft sich das wirtschaftliche Bild einer Region nicht in der Hektarzahl der Agrarfläche oder der Menge an Betten in einer großen Klinik, aber als erster Schritt sind solche Eckdaten immer sinnvoll. Auch das Interview mit einem ehemaligen, in Wirtschaftsfragen bewanderten Schleswiger, der fundierte, zum Teil provokante und sicher kritikwürdige Meinungen zum Besten gibt, ist ein würdiger Einstieg ins Thema. Dann verkommt das Heft jedoch schnell zu einer Aneinanderreihung von kurzen Helden-Portraits über die angeblichen „Alpha-Tiere“ der Schleswiger Wirtschaft – unterbrochen fast nur von den ganzseitigen Anzeigen, die offenbar die Publikation finanziert haben.

Es drängt sich der Eindruck auf, die wirtschaftlichen Geschicke der Schleistadt würden ausschließlich von einem Dutzend an „Machern“, „Geschäftsfrauen mit Herz für Schleswig“ und „Top-Managern mit fünfzehnstündigem Arbeitstag“ in eine goldene Zukunft gesteuert. Ein geradezu messianisches Hoffen auf das Wunderwirken einer weniger Auserwählter lenkt hier von der Verantwortung aller vermeintlich kleinen Bürgerinnen und Bürger ab. Dabei lässt sich den Lobgesängen auf die Schleswiger Lichtgestalten auch problemlos höchst Kritisches entgegenstellen: Stadtwerkechef Wolfgang Schoofs bezieht aus unerfindlichen Gründen von einer semibankrotten Kleinstadt ein Gehalt ähnlich dem des Bundespräsidenten. Sybille Schmid-Sindram und Wolfgang „Spiel und Spaß“ Tries haben in den letzten Jahren auf breiter Front den Blick auf die Schlei verbaut. Klaus-Peter Jeß sitzt zwar der Interessengemeinschaft Ladenstraße vor, bringt selbige aber nicht einmal dazu, die Fußgängerzone mit einem akzeptablen Angebot an Fahrradständern zu versorgen. Susanne Schöning bescherte der Stadt ein jahrelanges, Geld und Nerven kostendes Tauziehen um ein Erholungs-Schwimmbad. Derartige Kritik oder auch nur eine detailliertere Begründung der Auswahl sucht man aber vergeblich in dem Sonderheft zur „Wirtschaft bei uns“. Dabei ließe sich an einer solch illustren Reihe von Persönlichkeiten eine exzellente Story voller Licht- und Schattenseiten basteln. Stattdessen bekommt der Leser wieder einmal den bitteren Beigeschmack, dass es mit der journalistischen Unabhängigkeit nicht zum Allerbesten bestellt ist – zu schön sind einfach die Lobeshymnen auf die „Alpha-Tiere“ und andere Selfmade-Men und -Women.

Kritische, hintergründige Wirtschaftsberichterstattung bleibt also bis auf Weiteres ein guter Vorsatz für 2013. Das Fazit meines eigenen, sicher auch sehr unzulänglichen Versuches, sachorientiert und unvoreingenommen über unsere städtische Wirtschaft zu schreiben, ist – gerade vor dem Hintergrund des besagten Wirtschafts-Sonderheftes – wieder mal ein Appell an die demokratische Alltagskultur: Wir Konsumenten treffen jeden Tag wirtschaftlich relevante Entscheidungen, die in der Summe das Schicksal der Schleistadt stärker prägen als alle Geniestreiche der lokalen Star-Kaufleute zusammen.

- Gehen wir ins Einkaufszentrum am Stadtrand oder in die Fußgängerzone im Zentrum?

- Kaufen wir bei Filialen großer Ketten oder bei ungebundenen Kleinunternehmern ein?

- Fahren wir mit dem Rad, dem Auto oder dem Bus zum Einkaufen?

- Geben wir all unser Geld aus oder sind wir eher Sparer?

- Essen wir oft im Restaurant oder kochen wir lieber selbst zu Hause?

- Verbringen wir unseren Urlaub in der heimischen Region oder in weit entfernten Gefilden?

- Verdienen wir unser Geld mit Dienstleistung, Handel oder Produktion?

- Probieren wir neue Angebote aus oder halten wir uns strikt an Althergebrachtes?

- Achten wir in unserem Alltag darauf, Energie- und Materialverbrauch gering zu halten oder gehen wir eher sorglos zu Werke?

Die Zukunft hängt vor allem davon ab, wie die Mehrheit von uns sich in solchen Fragen verhält. Wenn wir uns – aus wirtschaftlicher Sicht im wahrsten Sinne des Wortes – kontraproduktiv verhalten, können die besten Stadtmanager, Geschäftsfrauen und Verwaltungsfachleute Schleswigs Prosperität auf Dauer nicht erhalten.

Im Moment, so stellt es sich mir nach einem Jahr gelegentlichen Studiums der Schleswiger Ökonomie dar, gibt es noch viele Anknüpfungspunkte, an denen eine fleißige, kooperationswillige Bevölkerung viel ausrichten kann. Ich sage „noch“, denn Klimaveränderungen, demographischer Wandel und Verschiebungen der globalen Geld- und Warenströme machen auch vor einem norddeutschen Provinz-Zentrum nicht Halt. Aber wenn wir alle nur anfingen, etwas systematisch über unsere Rolle – hier direkt vor der Haustür – nachzudenken, wäre schon ein guter Schritt getan. Wenigstens in diesem Punkt glaube ich, ein gutes Beispiel gesetzt zu haben.

 

 

 

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