Die Schleswiger Wirtschaft im Blick

Die Schleswiger Wirtschaft im Blick

(von C. Godbersen)

Veranlasst durch die schwierige wirtschaftliche Situation, in der sich die Stadt Schleswig befindet, wirft unser Mitglied Claus Godbersen, ein ausgewiesener Wirtschaftslaie, einen kritischen, subjektiven Blick auf die Dinge. Lernen Sie mit ihm zusammen eine andere Sichtweise kennen. In einer Artikelreihe, die sich voraussichtlich über das ganze Jahr 2012 erstrecken wird, werden unangenehme Fragen gestellt und unorthodoxe Antworten vorgeschlagen. Die argumentative Stoßrichtung dieser Serie steht keinesfalls fest – nicht Überzeugen, sondern Verstehen ist das Ziel. Ein eventuell polemisches Finale behält der Autor sich jedoch vor.

Teil 1: Wirtschaft... muss das sein?

(Kein Text kommt aus ohne) Historische Einleitung

„Alle machen es, niemand versteht es.“ Diese Aussage trifft neben so vielen Dingen auch auf die Wirtschaft zu. Vom ersten Tauschhandel in der Höhle bis zum Containerschiff auf der Route Hamburg-Schanghai; von Muscheln als frühgeschichtlichem Zahlungsmittel bis zu Computergeld, das in Sekundenschnelle ein- und ausgebucht wird; von der Überlegung, Wintervorräte anzulegen bis hin zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung – die Wirtschaft ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Und dabei stellt sie schon ein wichtiges zivilisatorisches Gut dar – einen Schritt des aufsteigenden Affen in Richtung des Ortes, wo er den fallenden Engel trifft, um Terry Pratchetts Worte zu benutzen.

Zu wirtschaften heißt vorauszudenken. Das Tier, das einfach nur auf der Wiese oder im Wald liegt, bis es Hunger verspürt, lebt nur im Moment. Einige Tiere wirtschaften dagegen auch in einfachem Sinne, wie das Eichhörnchen, das Nüsse für den Winter eingräbt. Der Mensch jedoch hat immer ein Stück weiter gedacht – wenn auch leider nicht immer in die richtige Richtung –, so dass von nomadischen Jägern und Sammlern über sesshafte Kleinbauern hin zu sich verbessernden Lager- und Transportmöglichkeiten, Städtegründungen, weiten Entdeckungsreisen und Revolutionen des Kommunikationswesens wir soweit gekommen sind, dass wir an der Schlei sitzen und im Internet amerikanische Filme, australische Bademode und Schweizer Schokolade bestellen können. Das alles bezahlen wir per Homebanking und haben es ein bis zwei Wochen später vor der Haustür.

Schleswig wie es leibt und noch lebt

Dieser bedenklich locker vom Neandertal 30.000 vor Christus in die Gegenwart geschlagene Bogen wirft uns mitten in kalte Wasser der Schlei: Um die Schleswiger Wirtschaft steht es nicht zum Besten. Das Hotel Stadt Hamburg ist nur noch eine Ruine, der Lollfuß von Leerständen geprägt und die Königsstraße von hässlichen Neubauten gesäumt. Ja, hässlich! Es tut mir leid, wenn ich die BauherrInnen mit diesem starken Wort beleidige, aber ich werde auch regelmäßig durch den starken Anblick beleidigt. Sie merken schon: Diese Artikelreihe wird aus einem sehr subjektiven Blickwinkel geschrieben.

Aber zurück zum Thema: Schleswig ist wie viele Städte dieser Größe vom Altern der Gesellschaft, von der Bundeswehrreform und von wirtschaftlichem Wandel betroffen, und die Auswirkungen dieser Prozesse stellen die kommunale Gesellschaft vor schwere Aufgaben. Die Antworten, die wir in Schleswig bisher auf diese Probleme gefunden haben, kommen mir bestenfalls halbgar vor. Immer mehr Wohnraum für eine immer weiter schrumpfende Bevölkerung ergibt keinen Sinn. Immer mehr Niederlassungen großer Bekleidungseinzelhändler machen die Innenstadt nicht attraktiv. Neue Einkaufsmöglichkeiten generieren nicht mehr Kaufkraft in der Bevölkerung. Neubauten am Schleiufer machen die Gegend nicht schöner für Touristen. Und die Diskussionen, die um Projekte wie Therme, Klinikneubau und Berender Redder geführt werden, lassen – nach meinem Verständnis – kein langfristiges Konzept oder auch nur ein einigermaßen durchdachtes System erkennen. Allerdings werden hier zumindest andeutungsweise neue Wege beschritten. Meine ablehnende Haltung in diesen Fragen ist nicht in Stein gemeißelt, und eine Standpunktänderung nicht geschlossen.

Das nicht ganz dichte Denkerland

Traditionell entfalten neue Ideen sich in der Provinz etwas später als in den großen Zentren des Denkens, wo sie entstehen. Vergleichbar mit dem Prinzip, dass man eine neue Windows-Version frühestens sechs Monate nach ihrer Veröffentlichung auf einem Computer installieren sollte, den man dringend braucht, kann die verzögerte Anwendung neuer Ideen auch Vorteile haben. Dann kann man die ersten Denkfehler, die sich gezeigt haben, nämlich schon berücksichtigen. Leider wird diese Chance selten ergriffen. Eher neigt man in der Provinz dazu, mit Verzögerung exakt die gleichen Fehler zu machen, die in den Metropolen einige Jahre zuvor schon gemacht wurden. Ich muss an meine verehrte Literaturprofessorin Marianne Wünsch denken, die schon eine ganze Weile vor dem Lehmann-Crash von 2008 die Theorie des Wirtschaftswachstums als „Fiktion“ bezeichnete. Sie als Expertin für phantastische Geschichten hatte offenbar durchschaut, was Wirtschaftsexperten erst nach dem großen Zusammenbruch klar wurde. Inzwischen sprechen selbst Dirk Müller und Wolfgang Schäuble davon, dass es so nicht weitergehen kann. In Schleswig dagegen scheint das Wachstumsdogma aber immer noch unverändert zu gelten. Nach dem Motto „Viel hilft viel!“ wird gebaut, gebaut, gebaut, aber eine Entwicklung hin zu einer stabilen Verbesserung der Wirtschaftslage ist nicht zu erkennen.

 

Zugegebenermaßen ist die Situation schwierig. Teilweise völlig ohne eigenes Verschulden hat die Stadt in den letzten Jahren mehrere große Arbeitgeber verloren. Auch die besten Kommunalpolitikerinnen und -politiker können solche Probleme nicht mit einem Fingerschnippen lösen. Vor allem aber kann die Politik Probleme nicht alleine lösen. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen zumindest ein bisschen mitdenken. Das ist eigentlich gar nicht schwer. Die turbulenten vergangenen drei Jahre haben gezeigt, wie wenig Durchblick vermeintliche Experten tatsächlich haben. Laien könnten sich angesichts dessen vollkommen hilflos fühlen und denken: Wenn die schon nichts verstehen, was sollen wir einfachen Leute dann noch machen? Aber auch ein anderer Schluss ist legitim: Wenn die Experten ratlos sind, haben Laien vermutlich noch Ideen, die den Experten weiterhelfen – sofern sie geäußert werden.

In diesem Sinne lade ich Sie herzlich ein, in den kommenden Monaten mitzugehen auf einem gedanklichen Streifzug durch das Schleswiger Geschäftsleben. Wenn Sie auch Laie sind, sollten Ihnen meine Ausführungen keine Schwierigkeiten bereiten. Wenn Sie sich schon besser mit der Wirtschaft auskennen, bekommen Sie vielleicht noch den einen oder anderen neuen Denkanstoß.

Termine

Offene Vorstandssitzung des OV Kropp

Offene Vorstandsitzung des OV Kropp am 2. Februar um 19 Uhr! Wir treffen uns wieder im Gasthof Bandholz, Hauptstraße 6, 24848 Kropp. Alle Mitglieder und auch Gäste sind [...]

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Offenes Treffen OV Glücksburg

Das monatliche Treffen des Ortsverbands Glücksburg.

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Wahlversammlung des OV Kappeln  Am Samstag, 04.02.2023 ab 14 Uhr  im Begegnungszentrum ( BEZ ) Ellenberg - Ellenberger Straße 27 - 24376 Kappeln kommt der OV Kappeln an [...]

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Kreistagsfraktionssitzung Wir tagen öffentlich, Interessierte sind herzlich willkommen! Die Sitzungen finden i.d.R. hybrid statt: Grünes Büro, Kornmarkt 12, Schleswig  [...]

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Jeden ersten Dienstag im Monat trifft sich der Ortsverband Angeln Mitte um 19 Uhr bei einem seiner Mitglieder. Die genaue Adresse kann unter der E-Mail-Adresse [...]

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I.d.R. Hybrid: Grünes Büro, Kornmarkt 12, 24837 Schleswig & Digital Interessierte sind herzlich Willkommen! Für Fragen, Tagesordnung, den genauen Sitzungsort und [...]

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Wahlversammlung des OV Kropp-Stapelholm Am Samstag, 11. Februar kommen wir im Gasthof Bandholz, Hauptstraße 6, 24848 Kropp zusammen ab 18.00 Uhr um unsere Liste für die [...]

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Offenes Treffen des OV Langballig Hürup am 17.02 um 19:00. Themen: Kommunalwahl 2023, Berichte zu den Wahlversammlungen, Vorbereitung des Wahlkampfes, Übergreifende [...]

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Waldspaziergang

Waldspaziergang des OV Glücksburg zusammen mit der Försterei Glücksburg

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