PM: Holnis – Lebensraum, Ferienziel und Zuhause

23.02.21

Am Freitag, den 19.02.2021 folgten mehr als 60 Teilnehmer*innen der Einladung zu einer digitalen Podiumsdiskussion, zu der der Glücksburger Ortsverband Bündnis 90/die Grünen einlud. Schnell kamen die Podiumsteilnehmer*innen auf die Konflikte zwischen den Bemühungen um Natur- und Landschaftsschutz und den Auswirkungen der zunehmenden Besucher*innenzahlen auf Holnis als touristisches Ziel und Naherholungsgebiet zu sprechen.

Uta Makaranond, Sprecherin des Ortsverbandes Bündnis 90/die Grünen, rief auf, miteinander ins Gespräch zu gehen und den unterschiedlichen Perspektiven der Bewohner*innen sowie aus Tourismus, der Stadtverwaltung und dem Naturschutz gleichermaßen Raum zu geben. 

Im Verlauf der Diskussion wurde schnell deutlich, dass ein wesentliches Ziel der Entwicklung auf Holnis eine Lenkung der Besucher*innenströme sein muss; Glücksburg muss sich auf ein Ansteigen von Besucher*innen einstellen. Wir seien bereits an der Grenze der Kapazitäten, erklärte Kurt Schwab, Vorsitzender des Tourismusvereins. Wiebke-Sophie Volquardsen, touristische Vermieterin auf Holnis, begrüßte es, dass vor allem der Tagestourismus an der Strandpromenade zugenommen habe. Holnis ist ein beliebtes Ausflugsziel geworden.

Der Tourismus befände sich in dem Dilemma, einerseits mit der Natur zu werben und sie gleichzeitig durch ein hohes Besucher*innenaufkommen zu gefährden. Nadine Herrmann, die ihren Vater im touristischen Familienbetrieb auf Holnis unterstützt, führte weiter aus, dass es neue Konzepte des „sanften Tourismus“ brauche. Kristina Franke, Bürgermeisterin von Glücksburg, ergänzte, dass die Infrastruktur dem gestiegenen Gästeaufkommen nicht mehr gerecht wird. Sie vermisse mehr Rücksichtnahme, sinnvolle Regelungen könnten oft nicht wirken, wenn Gäste diese ignorierten.

Ein großer Teil der Probleme entstehe aber nicht allein durch die FeriengästeAxel Sager, Sprecher des Ortsverbandesmahnte,

„es sind nicht „die Anderen“, die hier für Störungen sorgen, das sind wir Glücksburger*innen und Besucher*innen aus der Umgebung selbst.“

Gerd Kämmer, Weidebewirtschafter der Naturschutzflächen auf Holnis, und Silvia Brenke, NABU-Schutzgebietsreferentin, betonten die Notwendigkeit von Rückzugsräumen für Wild- und Weidetiere. Besucher*innen, die sich nicht an die vorgesehenen Wege hielten oder Hundehalter*innen, die ihren Hund unangeleint laufen ließen, sorgten für großen Schaden im Naturschutzgebiet, der für die Besucher*innen selbst nicht sofort offensichtlich wird.

Die Diskussion profitierte von den Erfahrungen der Nachbargemeinde Munkbrarup, vertreten durch Bürgermeister Heiner Iversen. Entwicklung bedeute in der Gemeinde Munkbrarup eine qualitative Entwicklung. Diese setze nur durch viele Gespräche und ein Umdenken in der wirtschaftlichen Ausrichtung des touristischen Handelns ein. Naturschutz habe es „an den Verhandlungstisch geschafft“, zeigte sich Iversen zufrieden.

Im Ergebnis der angeregten Diskussion, zeigten sich die Podiumsgäste einig, dass das Ziel der Entwicklung sein muss, Mensch und Natur in Einklang zu bringen und sich den Herausforderungen steigender Besucher*innenzahlen zu stellen. Im Grunde brauche man für alle Besucher*innen, Wander*innen, Mountainbiker*innen, Sportler*innen ein eigenes Angebot, das so attraktiv ist, dass die Naturschutzflächen akzeptiert werden. Kein leichtes Unterfangen bei einem begrenzten Flächenangebot auf der Halbinsel. „Wir müssen größer denken“, regte Uta Bergfeld, Sprecherin des Kreisverbandes Schleswig-Flensburg, an. Eine Verbesserung touristischer Angebote im Binnenland kann zu einer Entzerrung und Lenkung der Tourist*innenströme an den Küsten beitragenNach knapp zwei Stunden offener und zukunftsorientierter Aussprache war wohl allen Beteiligten klar, dass eine solche Veranstaltung keine Eintagsfliege bleiben darf, sondern die Ideen aufgegriffen und weiterverfolgt werden müssen.

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3er-Kachel Aktuelles Glücksburg

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